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Sehenswürdigkeiten im Harz

Brocken, Sagen, Bergbau und Welterbe – die Stopps, die eine Tour erst rund machen.

Der Brocken – Hexenberg, Gipfel & Kalter Krieg

Mit 1141 Metern ist der Brocken der höchste Berg Norddeutschlands und der unbestrittene Mittelpunkt des Harzes. Wer mit dem Motorrad anreist, sollte eines vorweg wissen: Auf den Gipfel hinauf geht es nicht. Die Brockenstraße ist ab dem Nordwestrand von Schierke dauerhaft für den Kfz-Verkehr gesperrt – sie verläuft komplett durch den Nationalpark Harz und das Naturschutzgebiet. Erlaubt sind nur Fußgänger, Radfahrer und die Brockenbahn. Das ist kein Mangel, sondern die Geschäftsgrundlage dieser Region: Der Berg bleibt unberührt, die guten Strecken liegen rundherum.

Zwei Wege nach oben – beide ohne Maschine

Zu Fuß führt der klassische Aufstieg von Schierke oder vom Torfhaus über den Goetheweg hinauf, gut zwei bis drei Stunden je Richtung. Bequemer ist die schmalspurige Brockenbahn: Sie fährt auf 18,9 Kilometern von Drei Annen Hohne mit Halt in Schierke hinauf zum Brockenbahnhof auf 1125 Metern, gut 50 Minuten Fahrzeit, seit 1991 regelmäßig mit Dampf. Die Brockenbahn ist Teil der Harzer Schmalspurbahnen, mit rund 140 Kilometern das längste Schmalspurnetz Deutschlands und das größte zusammenhängende Dampfnetz Europas. Ein Tag, an dem man die Maschine stehen lässt und sich von der Mallet-Dampflok durch die Bäume schaufeln lässt, ist im Harz gut investiert.

Blocksberg, Hexen und Goethes Faust

Kein deutscher Berg ist sagenumwobener. Als „Blocksberg" gilt der Brocken seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts als zentraler Versammlungsort der Hexen. Der Sage nach reiten sie in der Walpurgisnacht zum 1. Mai auf Besen und Böcken hinauf, um dort zu tanzen. Populär gemacht hat das vor allem Johannes Praetorius mit seinem Werk „Blockes-Berges Verrichtung" (1668) – und Goethe, der die Walpurgisnacht auf dem Brocken 1808 in seinen „Faust I" schrieb. Bis heute füllt das Spektakel jedes Jahr Ende April die Harzorte rund um den Berg.

Das Brockengespenst

Real und gut erklärbar ist dagegen das Brockengespenst: Steht man bei tiefstehender Sonne im Rücken vor einer Nebelbank, wirft der eigene Schatten sich riesenhaft und scheinbar dreidimensional in den Nebel, oft umgeben von einem farbigen Ring, der Glorie. Goethe soll bei seinen Studien zur Farbenlehre am 12. Dezember 1777 von einer solchen Erscheinung erschreckt worden sein – seither trägt das Lichtspiel diesen Namen.

Sperrgebiet im Kalten Krieg

Der Gipfel lag unmittelbar an der innerdeutschen Grenze. Ab August 1961 war der Brocken militärisches Sperrgebiet, der Tourismus erlosch, auch Schierke wurde Sperrzone. Auf dem Plateau betrieben der sowjetische Militärnachrichtendienst GRU (Deckname „Jenissej") und die Stasi (Deckname „Urian") zwei der leistungsfähigsten Abhörstationen des Ostblocks – der Brocken war zugleich der westlichste Horchposten der Sowjets. Am 3. Dezember 1989 wurde die Grenze auf dem Gipfel wieder geöffnet, die Mauerreste 1991 abgerissen, die russische Anlage am 30. März 1994 übergeben. Heute steht der Berg jedem offen – auf dem Sattel sitzend bleibt man besser drumherum.

Sagen & Legenden entlang der Route

Der Harz ist nicht nur Stein, Kurve und Stausee, sondern auch ein Land voller alter Geschichten. Wer mit dem Motorrad unterwegs ist, fährt oft direkt an den Schauplätzen vorbei, ohne es zu merken. Vier davon lohnen einen Stopp vom Bike – mit einem festen Schuh am Fels und der nötigen Vorsicht an den Kanten.

Rosstrappe & Hexentanzplatz – Thale, Bodetal

Über dem rund 400 Meter tiefen Bodetal stehen sich zwei Granitfelsen gegenüber: die Rosstrappe (rund 403 m) und der Hexentanzplatz. Der Sage nach floh die Königstochter Brunhilde auf ihrem Pferd vor dem Riesen Bodo, der sie gegen ihren Willen heiraten wollte. Am Hexentanzplatz hatte Bodo sie fast eingeholt, als sich vor ihnen die Schlucht auftat. Brunhilde gab ihrem Ross die Sporen und setzte über das Tal auf die gegenüberliegende Felswand – der Hufschlag soll den berühmten Hufabdruck im Stein hinterlassen haben, der dem Felsen den Namen gab. Bodo stürzte der Sage nach in den Abgrund, wurde in einen schwarzen Hund verwandelt und bewacht seither die Krone auf dem Grund der Bode, die nach ihm benannt ist. Beide Felsen sind über Sessellift bzw. Seilbahn aus Thale erreichbar, dazu Aussichtsplattformen mit Blick ins Tal.

Hübichenstein – Bad Grund, Westharz

Direkt an der B242 nördlich von Bad Grund ragt der rund 50 Meter hohe Hübichenstein auf – ein Kalkfelsen, geologisch der Rest eines Korallenriffs aus dem Devon. Der Sage nach lebte hier der Zwergenkönig Hübich in einer Höhle unter dem Fels: grauer Bart, faltiges Gesicht, aber freundlich und hilfsbereit. Armen Leuten soll er goldene Tannenzapfen geschenkt haben. Wer ihn jedoch beleidigte oder seinen Fels bestieg, wurde streng bestraft. Hübich sollte über den Stein herrschen, solange der Große Hübichenstein höher blieb als der Kleine. Im Dreißigjährigen Krieg schossen Soldaten der Überlieferung nach die Spitze aus reiner Zerstörungslust herunter – seitdem wurde der Zwergenkönig nie wieder gesehen. Ein kurzer Stopp, der gut in die Westharz-Etappe entlang der B242 passt.

Der Brocken – Blocksberg der Hexen

Norddeutschlands höchster Berg (1141 m) ist zugleich der berühmteste Sagenort der Region. Der Sage nach treffen sich in der Walpurgisnacht zum 1. Mai Hexen und der Teufel auf dem Gipfel zum Tanz. Populär wurde der „Blocksberg" durch Johannes Praetorius' Buch „Blockes-Berges Verrichtung" (1668) und vor allem durch Goethes „Faust", der Mephisto und Faust zur Walpurgisnacht auf den Berg schickte – Goethe selbst bestieg den Brocken 1777 mitten im Winter. Wichtig fürs Bike: Die Brockenstraße ab Schierke ist dauerhaft für Kfz und Motorräder gesperrt (Nationalpark); auf den Gipfel geht es zu Fuß, per Rad oder mit der Dampf-Brockenbahn.

Teufelsmauer – nördliches Harzvorland

Zwischen Ballenstedt, Weddersleben und Blankenburg zieht sich über rund 20 Kilometer eine bizarre Sandsteinrippe durch die Landschaft – die Teufelsmauer, mit Formationen wie dem rund 40 Meter hohen „Hamburger Wappen". Der Sage nach wettete der Teufel mit Gott um die Herrschaft über die Erde: Schaffe er es, das Land in einer einzigen Nacht mit einer Mauer zu umschließen – fertig bis zum ersten Hahnenschrei –, gehöre es ihm. Als der letzte Stein noch fehlte, ließ eine Marktfrau aus Cattenstedt ihren Hahn im Korb krähen; der Teufel musste sein Werk wütend abbrechen. Das Gebiet bei Weddersleben gehört zu den ältesten Naturschutzgebieten Deutschlands (Schutz bereits 1852), gut erreichbar als Stopp im östlichen Harzvorland nahe Thale und Blankenburg.

Bergbau & Welterbe: lohnende Trockenstopps im Harz

Der Harz ist Mittelgebirge mit kurvigen Touren-Klassikern wie der B498 durch das Okertal oder der B242 über die Stieglitzecke. Wenn der Himmel zumacht und die Visiere beschlagen, lohnt sich das Umparken in eine der dichtesten Welterbe-Landschaften Deutschlands. Vier Stopps, die unter Dach genauso viel hergeben wie die Strecke davor.

Rammelsberg Goslar: tausend Jahre Erz unter einem Berg

Am Südrand von Goslar steht das einzige Bergwerk der Welt, das über 1000 Jahre ununterbrochen in Betrieb war. Am 30. Juni 1988 endete die Erzförderung am Rammelsberg, weil die Lagerstätte erschöpft war; seither läuft hier ein Besucherbergwerk samt Museum. Es war einst das größte zusammenhängende Vorkommen an Kupfer-, Blei- und Zinkerz weltweit. Seit 1992 trägt der Rammelsberg gemeinsam mit der Altstadt von Goslar den UNESCO-Welterbetitel. Die Grubenbahn und die alten Aufbereitungsanlagen sind bei jedem Wetter befahrbar, die Stollentemperatur liegt konstant bei rund 12 Grad — Regenjacke gegen Funktionsjacke tauschen.

Goslars Altstadt: über 1500 Fachwerkhäuser auf einem Quadratkilometer

Vom Bergwerk sind es nur Minuten in die Goslarer Altstadt, die den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschädigt überstand. Auf etwa einem Quadratkilometer drängen sich mehr als 1500 Fachwerkhäuser. Bester Ausgangspunkt ist der Marktplatz mit dem Glockenspiel im Kaiserringhaus. Die romanische Kaiserpfalz aus dem 11. Jahrhundert gehört seit 1992 ebenfalls zum Welterbe und bietet ausgedehnte Ausstellungen — trockener Kulturstopp mit überdachten Parkmöglichkeiten in Stiefelnähe.

Oberharzer Wasserwirtschaft: 107 Teiche, 310 km Gräben

Seit August 2010 ist die Oberharzer Wasserwirtschaft Teil des Welterbes — das größte und bedeutendste vorindustrielle Teich- und Grabensystem der Welt. Erhalten sind 107 Teiche, 310 km Wassergräben und 30 km unterirdische Wasserläufe; rund 65 Teiche und 70 km Gräben sind bis heute in Betrieb. Wer ohnehin zwischen Clausthal-Zellerfeld und Altenau unterwegs ist, findet entlang der Teiche kurze, befestigte Spazierwege, die auch bei Nieselregen begehbar bleiben.

Grube Samson St. Andreasberg: 190 Meter mit der letzten Fahrkunst

In St. Andreasberg, dem höchstgelegenen Bergstädtchen des Harzes, steht in der Grube Samson die weltweit letzte am ursprünglichen Ort betriebene Fahrkunst — eine paternosterartige Personentransport-Anlage, 1837 eingebaut und heute 190 Meter lang. Bis zur Umstellung auf Elektrobetrieb 1922 trieb ein Wasserrad von 12 Metern Durchmesser die Anlage an, gespeist über den Rehberger Graben vom Oderteich. Besucher fahren bis 190 Meter Tiefe ein. Die Grube gehört zum Welterbe Oberharzer Wasserwirtschaft und ist ein idealer Schlechtwetter-Stopp, wenn der Brockenblick von Torfhaus ohnehin in den Wolken hängt.

Quedlinburg im Ostharz: rund 2100 Fachwerkhäuser

Wer im Ostharz die Talsperrenrunde zwischen Rappbode und Wendefurth fährt und in Regen gerät, hat Quedlinburg als Ass im Ärmel. Die Stadt wurde am 17. Dezember 1994 ins UNESCO-Welterbe aufgenommen; etwa 2100 Fachwerkhäuser aus acht Jahrhunderten prägen das Bild. Das mittelalterliche Straßennetz ist bis heute lesbar — Gassen, in denen man eine Regenfront problemlos aussitzt.

Natur & Stopps am Rande

Ein Wald im Umbruch – was rechts und links der Strecke passiert

Wer im Harz fährt, fährt durch einen Wald, der sich gerade neu erfindet. Seit 2018 hat der Nationalpark Harz über 11.600 Hektar Fichtenwald verloren; rund 90 Prozent des früheren Fichtenbestands im Nationalpark sind durch Dürre, Stürme und Borkenkäfer abgestorben. An vielen Hängen entlang der B4, der B242 und der B498 stehen deshalb graue Stangenwälder oder offene Flächen – ein Anblick, der erschreckt, aber kein Endpunkt ist. Über 70 Prozent der Nationalparkfläche bleiben sich selbst überlassen, der Borkenkäfer wird nur in einem 500 Meter breiten Streifen an den Außengrenzen bekämpft. Acht Jahre nach dem großen Fichtensterben kehren auf den Freiflächen Gräser, Sträucher und junge Laubbäume zurück, die Artenvielfalt nimmt zu. Auf der niedersächsischen Wirtschaftswaldseite läuft seit Juli 2025 zusätzlich das mit 130 Millionen Euro ausgestattete Wiederbewaldungsprogramm auf über 270 Quadratkilometern – Ziel sind klimastabile Bergmischwälder statt Fichten-Monokultur.

Höhenwetter – der Brocken macht sein eigenes Klima

Mit 1141 Metern ist der Brocken der höchste Berg Norddeutschlands und meteorologisch eine Ausnahme. Die Gipfelstation liegt im langjährigen Mittel rund 300 Tage im Jahr im Nebel (Rekord: 330 Nebeltage 1958), rund 1.800 Millimeter Niederschlag fallen pro Jahr, und Orkanböen treten häufiger auf als auf der Zugspitze – die höchste je gemessene Bö lag bei 263 km/h. Für die Tour heißt das: Was im Tal sonnig startet, kann ab Torfhaus in dichten Nebel und plötzlichen Temperatursturz kippen. Helmvisier und eine wasserdichte Lage gehören in den Tankrucksack, auch im Hochsommer. Der Brockengipfel selbst ist übrigens für Kfz und Motorräder tabu: Die Brockenstraße ist ab dem Ortsrand von Schierke dauerhaft für den motorisierten Verkehr gesperrt, hinauf geht es nur zu Fuß, per Rad oder mit der dampfbetriebenen Brockenbahn.

Pausen-Plätze: Wasser, Aussicht, Maschinen

Die Stopps liegen praktischerweise dort, wo ohnehin die schönsten Kurven sind. Der Klassiker ist Torfhaus an der B4 (rund 811 m, höchste Siedlung im Harz): der große Brockenblick-Parkplatz und die Bavaria Alm sind an gutem-Wetter-Wochenenden der zentrale Bikertreff mit direktem Blick zum Gipfel. Im Okertal sammeln sich an der Okertalsperre (B498, zwischen Oker und Altenau) an der frisch sanierten Okerterrasse bei Sonnenschein schnell mehrere Hundert Maschinen. An der Harzhochstraße B242 ist die Stieglitzecke (rund 820 m, Rücken „Auf dem Acker“) der Halt für die Aussicht; von hier sind es nur etwa 600 Meter zu Fuß zu den Hammersteinklippen.

Talsperren und Schmalspur – nur kurz halten

Im Ostharz lohnt ein Fotostopp an der Rappbodetalsperre: Mit 106 Metern Höhe ist sie die höchste Staumauer Deutschlands, daneben spannt sich seit 2017 die Hängeseilbrücke Titan RT über 483 Meter Länge in rund 100 Metern Höhe. Genauso eignet sich ein Kaffeehalt, wenn die Harzer Schmalspurbahnen (mit rund 140 km längstes Schmalspurnetz Deutschlands) mit Dampf vorbeiziehen – mehr als ein Bild und eine Pause braucht es dafür nicht, im Sattel bleibt der Reiz die Strecke.

Aktuell beachten (Stand Juni 2026)

Die B498 ist zwischen Riefensbeek-Kamschlacken (Soesetalstraße) und der B241 bei Osterode wegen Dammsanierung an der Sösetalvorsperre voraussichtlich bis auf Weiteres voll gesperrt. Die Umleitung läuft über die B241 via Clausthal-Zellerfeld – Tagestour vorher kurz gegenchecken.

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