
Kurvenspaß südlich vom Harz – Emmenrausch-Tour
Emmenrausch, das ist das Motorradtreffen am Kyffhäuser, gleich südlich des Harzes gelegen. Seit 2001 lockte der „Emmenrausch“ tausende Motorräder
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B 242 über den Kamm, das Okertal und die Harzhochstraße — dazu tausend Jahre Bergbau, vierzig Jahre Grenze und die Frage, woher die Hexe kommt.
Der Harz ist 110 Kilometer lang und 30 bis 40 Kilometer breit, er reicht von Seesen im Westen bis Eisleben im Osten und bringt es auf 2.226 Quadratkilometer. Ringsherum ist alles flach: erst das Harzvorland, dahinter das Norddeutsche Tiefland. Am Brocken steht das Gebirge rund tausend Meter über seiner Umgebung. Höher wird es in Norddeutschland nirgends. Nördlicher liegen zwar noch Wiehen- und Wesergebirge, die sind aber deutlich niedriger — wer nördlich davon wohnt und Höhenmeter fahren will, kommt am Harz nicht vorbei.

Dass er so allein steht, hat mit seinem Alter zu tun. Der Harz ist der nördlichste Teil des Variszischen Gebirges, der noch offen zutage liegt. Aufgefaltet wurde er ab dem Oberkarbon vor rund 300 Millionen Jahren, was oben liegt, sind Tonschiefer, Grauwacke und Granit. Der Rest dieses Gebirgszugs steckt in Norddeutschland unter jüngeren Schichten.
Der Name sagt, worum es geht. Bis ins Mittelalter hieß das Gebirge „Hart", und das bedeutet Bergwald. Nur ganz oben hört der Wald auf: Die natürliche Waldgrenze liegt bei etwa 1.100 Metern, und der Brocken ist der einzige Berg im deutschen Mittelgebirgsraum, der darüber hinausragt. Was oberhalb davon wächst, ist mit Nordskandinavien und den Hochlagen der Alpen vergleichbar — die Kleine Alpen-Kuhschelle heißt hier oben Brockenblume, die Schwarze Krähenbeere Brockenmyrte.
Der Harz verteilt sich auf drei Bundesländer und fünf Landkreise: Goslar und Göttingen in Niedersachsen, Harz und Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt, Nordhausen in Thüringen. Der größte Teil liegt in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen, Thüringen hat nur einen Zipfel im Süden. Der Brocken liegt in Sachsen-Anhalt. Der höchste Punkt des niedersächsischen Harzteils ist der Wurmberg mit 971,2 Metern, der des thüringischen der Große Ehrenberg mit 635,5 Metern.


Wer im Harz von „Oberharz" redet, meint meistens die hohen Lagen. Geografisch ist das falsch. Der Oberharz ist der nordwestliche Teil, im Osten begrenzt vom Acker-Bruchberg-Zug, der höchstens 927 Meter erreicht. Östlich davon liegt der Mittelharz mit dem Brocken. Noch weiter östlich der Unterharz, und der ist etwas ganz anderes: eine Hochfläche, deren Gipfel selten über 600 Meter kommen, im Norden und Süden von tief eingeschnittenen Tälern zerschnitten. Das „Ober" hat mit der Höhe nichts zu tun, sondern mit der Lage.

Der Harz steht quer im Westwind, und das teilt ihn in zwei Klimazonen. Auf der Luvseite — Westharz, Oberharz, Hochharz — fallen bis zu 1.600 Millimeter Niederschlag im Jahr. Auf der Leeseite im Ostharz und Unterharz sind es rund 600. Zweieinhalbmal so viel, auf einem Gebirge, das an keiner Stelle breiter als vierzig Kilometer ist.
Ganz oben wird es extrem. Der Brocken kommt auf 1.814 Millimeter Niederschlag im Jahresmittel (1961–1990), auf 3,8 Grad Jahresmitteltemperatur (1987–2016), auf 306,6 Nebeltage und 178 Tage mit liegendem Schnee. Der Wind weht dort im Schnitt mit 42 km/h; am 24. November 1984 wurden 263 km/h gemessen. Es ist der windigste Ort der Bundesrepublik, vor Zugspitze und Helgoland.

Südöstlich vom Gebirge dreht sich das um. Zwischen Harz und Kyffhäuser liegt die Goldene Aue, ein Obstanbaugebiet, und weiter östlich an Saale und Unstrut wird Wein angebaut — beides liegt im Wetterschatten des Brockens, mild und niederschlagsarm. Wenn es nördlich des Harzes regnet, kann man südöstlich davon trocken fahren. Das ist keine Wettervorhersage, sondern Geografie.

Von 1949 bis 1990 lag das westliche Drittel des Harzes an einer Staatsgrenze. Sie kam bei Tettenborn herein, lief über Hohegeiß und Sorge, zwischen Braunlage, Elend und Schierke hindurch, über den Brocken, und verließ das Gebirge zwischen Bad Harzburg und Stapelburg Richtung Vienenburg.
Der Brocken war ab August 1961 militärisches Sperrgebiet. Der Gipfel lag hinter einer drei Meter hohen Mauer, bewacht von der 7. Grenzkompanie Schierke. Oben standen zwei Abhörstationen, die den Funkverkehr in fast ganz Westeuropa erfassen konnten — „Jenissej" beim sowjetischen Militärnachrichtendienst GRU, „Urian" bei der Stasi; der Berg war der westlichste Horchposten der Sowjets. Am 3. Dezember 1989 kamen 6.000 Demonstranten in einer Sternwanderung herauf, und der Gipfel wurde wieder freigegeben. Der letzte russische Soldat verließ ihn am 30. März 1994.

Der Ostharz war bis zur Wende kaum erreichbar. Der Grenzstreifen selbst ist zum Grünen Band geworden, 1.393 Kilometer lang und 50 bis 200 Meter breit; der Nationalpark Harz ist einer von nur zwei Nationalparks, durch die es verläuft, und zugleich der erste länderübergreifende Nationalpark Deutschlands. Geschützt ist das Band aber nicht durchgängig: Sachsen-Anhalt hat ihm im November 2019 den Status Nationales Naturmonument gegeben, Niedersachsen nicht — und genau zwischen diesen beiden Ländern lief die Grenze.
An den Stellen, wo Straßen die alte Grenze queren, stehen Schilder mit Datum und Uhrzeit, bis wann dieser Punkt geschlossen war. In Hohegeiß steht ein Gedenkstein für einen DDR-Flüchtling, der beim Versuch, hier hinüberzukommen, erschossen wurde. Bis zur Landesgrenze sind es von dort ein paar Schritte. Von derselben Stelle hat man den Brocken frei vor sich.

Weil auf wenig Fläche viel Höhenunterschied steckt. Tausend Meter über dem Umland, verteilt auf dreißig bis vierzig Kilometer Breite — der Anstieg fängt am Gebirgsrand an und ist nach kurzer Strecke erledigt, und weil das Ganze nur 110 Kilometer lang ist, liegt das nächste Tal nie weit weg. Und an einem Tag hat man beide Seiten: den nassen Westen mit den Bergstädten und den trockenen Osten mit der Hochfläche.

Tausend Meter über flachem Land
Dazu kommt, dass die Region einen haben will. Fahrverbote sind hier kaum ein Thema, an vielen Leitplanken hängt Unterfahrschutz. Der Harz braucht die Motorradfahrer, und das merkt man.
Dass wir das schreiben, ist nicht neutral, und das sagen wir dazu. Motorrad & Reisen sitzt in Lerbach, einem Straßendorf am Rand von Osterode, das meist nur zwei Häuser breit ist. Unsere Harztouren starten üblicherweise dort, weil die Redaktion in Sichtweite steht. Im eigenen Text von 2026 klingt das so: „Wenn Motorrad & Reisen vom Harz redet, dann ist es unsere Heimat, unser Ursprung und natürlich sind wir parteiisch, aber wir sind genauso großstadtbefreit, Zonenrandgebiet und Fichten-Monokulturland mit allen Vor- und Nachteilen."
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