motorradharz.de
Start Anreise & Reisezeit

Harz

Anreise & beste Reisezeit

Wann sich die Räder lohnen und wie du am besten in die Region kommst.

Anreise

Anreise, Reisezeit — und wo im Harz alle anhalten

Torfhaus

Angehalten wird hier wegen der Aussicht nach Osten. Wer genau hinschaut, sieht die Dampffahne der Brockenbahn den Berg hinaufkriechen.
Angehalten wird hier wegen der Aussicht nach Osten. Wer genau hinschaut, sieht die Dampffahne der Brockenbahn den Berg hinaufkriechen.

Torfhaus ist der Treffpunkt im Harz. Wenn hier jemand „am Treff" sagt, meint er den Parkplatz an der B 4, auf halbem Weg zwischen Bad Harzburg und Braunlage.

Der Ort selbst ist winzig: zwei gemeldete Einwohner, 2011 waren es noch 22. Mit 780 bis 821 Metern ist er trotzdem die höchstgelegene Siedlung Niedersachsens. Den Namen hat er vom Torf. 1571 fingen die Untersuchungen an, ab 1573 wurde gestochen, nach einer langen Unterbrechung ab 1658 noch einmal, und 1786 hörte man endgültig auf — der Torf wurde da oben am Kamm nicht trocken.

Geblieben ist der große Parkplatz an der B 4 — gebührenpflichtig, ganzjährig für alle Fahrzeuge offen; die gesonderte Motorrad-Öffnung nur am Wochenende, die ein Heft von 2018 beschrieb, gibt es heute nicht mehr. An sonnigen Tagen stehen dort Hunderte Maschinen, und zwischen den Reihen immer wieder ein Schätzchen, um das ein Ring von Leuten steht. Ein Roadbook aus dem eigenen Haus nannte den Ort 2002 den „Harzer Motorradtreff der Superlative" und schrieb von mehreren tausend Maschinen an Schönwettertagen. Gezählt hat sie nie jemand. Direkt am Großparkplatz liegt die Bavaria Alm, Torfhaus 10.

Gehalten wird hier wegen der Aussicht nach Osten. Der Brocken liegt frei im Blick, und an klaren Tagen sieht man die Dampffahne der Brockenbahn den Berg hinaufkriechen. Nur ist es nicht die Lok, auf die die meisten hoffen: Im Planbetrieb fahren dort die Neubauloks der Baureihe 99.23-24. Die Mallet 99 5901 kommt bei Sonder- und Charterfahrten heraus, sonst nicht — auf die kann man lange warten.

Torfhaus wächst, nicht als Dorf, sondern als Ziel. Seit 2009 steht dort das Nationalpark-Besucherzentrum, am 1. November 2023 kam der 65 Meter hohe Harzturm dazu; vollständig nutzbar mit Aufzug, Skywalk und der 110 Meter langen Rutsche ist er seit dem 22. Juli 2024. Am 16. Juli 2026 stürzten dort drei Menschen einer Familie in den Tod. Die Polizei schloss die Ermittlungen ohne Hinweise auf ein Verschulden Dritter ab; seit dem 20. Juli 2026 ist der Turm wieder geöffnet. Begeistert war man im eigenen Haus schon 2010 nicht mehr. „Wahnsinn", sagt in der Reportage „Sagenhafter Harz" einer der Mitfahrer bei der Ankunft am Torfhaus, das „immer mehr zugebaut wird".

Sösestausee: Treff an der Trinkwassertalsperre

Helm ab auf der Mauerbrüstung. Es ist eine Trinkwassertalsperre, kein Ausflugsgelände — das erklärt, warum es hier stiller ist als am Torfhaus.
Helm ab auf der Mauerbrüstung. Es ist eine Trinkwassertalsperre, kein Ausflugsgelände — das erklärt, warum es hier stiller ist als am Torfhaus.

Die zweite Adresse im Westharz ist stiller. Über Altenau und Riefensbeek geht es bergab zur Staumauer der Sösetalsperre, und schon 2002 notierte ein Roadbook, die Mauer entwickle sich „immer mehr zum Motorradtreff, vor allem an Wochenenden und nach Feierabend". Das ist eine Trinkwassertalsperre, kein Ausflugsgelände mit Kiosk — daher der andere Ton. Dass die Mauer heute noch Treffpunkt ist, lässt sich nicht belegen; in den einschlägigen Verzeichnissen taucht sie nicht auf. Der Parkplatz am Damm der Hauptsperre ist offen, dahinter hört die Fahrt vorerst auf: Die B 498 Richtung Osterode ist wegen der Sanierung des Vorsperren-Damms gesperrt. Die Freigabe war zuletzt für das Frühjahr 2026 angekündigt und ist bis heute nicht bestätigt.

Netzkater: der Treff im Südharz, unten am Ende der B-81-Abfahrt

Im Südharz heißt der Treff Netzkater, nach der Gaststätte am Knoten B 81/B 4 bei Ilfeld, das heute zu Harztor gehört. Das Haus firmiert inzwischen als Wirtshaus zum Netzkater, Netzkater 5b, geöffnet mittwochs von 11.30 bis 16 Uhr und donnerstags bis sonntags von 11.30 bis 19 Uhr; montags und dienstags ist Ruhetag. Am Knoten stehen mehrere Betriebe — unter Netzkater 5a ein Imbiss, unter Netzkater 6 die Gaststätte Zur Harzquerbahn. Der Treff liegt am unteren Ende der B-81-Abfahrt, die aus dem Ostharz an der Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Thüringen herunterkommt — das ist der Grund, warum dort überhaupt jemand hält. Als die Redaktion 2018 vorbeikam, blieb es beim Kaffee: weiter, „ehe die Motoren und Reifen zu sehr abkühlen".

Ravensberg — und die Sache mit dem Bergrennen

Über Bad Sachsa liegt der Ravensberg, und dort oben stand ein Motorradtreff — der letzte Hinweis darauf steht in einem Roadbook ohne Jahreszahl. Der Berg ist einer der wenigen im Harz, auf die eine asphaltierte Straße führt: die Ravensbergstraße, rund dreieinhalb Kilometer bergan, frei befahrbar bis zum Gipfelbereich. Oben steht auf rund 660 Metern die Ravensberg Baude „Berghof", Ravensberg 1, donnerstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet, mit Parkplätzen direkt am Haus und zwei weiteren Flächen unterhalb an der Straße. Als Motorradtreff bewirbt sich das Haus heute nicht mehr; als Ausflugsziel mit Aussicht ist es in Betrieb.

Dieselbe Runde führt zwanzig Kilometer weiter zu dem Satz, der von der ganzen Recherche übrig geblieben ist. Kilometer 139,1: „Noch in Zorge links und nun auf alter Bergrennstrecke stets bergan in Richtung Braunlage." Gut elf Kilometer geht es von dort hinauf, dann trifft die Strecke auf die B 4.

Mehr steht darüber nirgends. Welches Rennen, welche Jahre, wer es veranstaltet hat — kein Wort, in keinem Heft aus fünfundzwanzig Jahren. Der Mann, der das Roadbook geschrieben hat, setzt es als bekannt voraus und fährt weiter. Außerhalb des Archivs kommt man kaum weiter: Im Forum des MSC Langelsheim erinnern sich Zeitzeugen an die jährlichen Bergrennen an dieser Strecke in den siebziger Jahren. Eine Chronik mit Namen, Jahren und Veranstalter gibt es öffentlich nicht. Die Strecke ist noch da, aufgeschrieben hat das Rennen niemand.

Tetzelstein: der vierte klassische Treff liegt gar nicht im Harz

Der vierte klassische Treff liegt gar nicht im Harz, sondern im Elm, dem bewaldeten Rücken im nördlichen Harzvorland. Man trifft sich dort am Wochenende und nach Feierabend, an der Waldgaststätte Tetzelstein, die direkt an der Strecke steht — Tetzelstein 1 in Königslutter am Elm, donnerstags bis sonntags und an fast allen Feiertagen geöffnet, mit rund 666 Sitzplätzen und einem großen, teils überdachten Außenbereich. Ringsum das Reitlingstal mit seinen Kurven; nach Süden hinaus liegt der Fallstein vor einem und dahinter die Nordharzhöhen. In Mattierzoll steht ein originaler Wachturm der innerdeutschen Grenze.

Kukkis Gulaschkanone

Zwischen Elend und Braunlage steht eine Feldküche im Wald. Kukki's Gulaschkanone hat wenige Gerichte auf der Karte, und mehr braucht sie nicht. Den Stand gibt es weiterhin; er firmiert heute als Kukki's Erbsensuppe und steht an der B 27, einen zweiten betreibt derselbe Betrieb am Parkplatz Drei Annen Hohne. Geöffnet ist täglich ab 11 Uhr. Allein ist sie damit nicht — im Ostharz steht öfter mal eine Erbsensuppen- oder Gulaschkanone am Straßenrand.

Pullman City in Hasselfelde

Westernstadt auf dem Gelände einer russischen Kaserne aus dem Kalten Krieg. Wer das weiß, sieht die Kulisse anders.
Westernstadt auf dem Gelände einer russischen Kaserne aus dem Kalten Krieg. Wer das weiß, sieht die Kulisse anders.

Bei Hasselfelde steht eine Westernstadt auf dem Gelände einer russischen Kaserne aus dem Kalten Krieg. Der Park ist in Betrieb — Hauptsaison von Ende März bis Anfang November, täglich 10 bis 18 Uhr — und richtet mehrere Motorveranstaltungen im Jahr aus, nicht eine: 2026 stehen unter anderem das Bike Weekend ab dem 14. Mai, das Riders Meeting am 24. Juli und das American Power Weekend am 28. und 29. August im Kalender, dazu Quad- und ATV-Treffen. Wer hinwill, schaut in den Veranstaltungskalender des Parks, statt sich auf einen Jahrestermin zu verlassen. 2012 hat Motorrad & Reisen selbst dort gefeiert, vom 17. bis 20. Mai, 2013 noch einmal vom 9. bis 12. Mai.

Die Adressen aus den Roadbooks — und was aus ihnen geworden ist

Der Rote Bär in Sankt Andreasberg, im Roadbook mit dem Zusatz „Riesen Windbeutel!". Die Liste ist zwischen dreizehn und vierundzwanzig Jahre alt — wer danach fährt, ruft vorher an.
Der Rote Bär in Sankt Andreasberg, im Roadbook mit dem Zusatz „Riesen Windbeutel!". Die Liste ist zwischen dreizehn und vierundzwanzig Jahre alt — wer danach fährt, ruft vorher an.

In den Roadbooks der Jahre 2002 bis 2013 steht eine Reihe von Adressen, die damals jeder kannte. Die meisten davon gibt es noch.

Die Klobenberg-Baude in Friedrichsbrunn, Klobenberg 4, mit Pension, Freiterrasse und Kaminstube, mittwochs bis sonntags von 11 bis 20 Uhr. Der Rote Bär in Sankt Andreasberg, Braunlager Straße 15, im Roadbook mit dem Zusatz „Riesen Windbeutel!" — mittwochs bis freitags ab 17.30 Uhr, samstags und sonntags ab 12 Uhr. Die Sportklause liegt nicht auf halber Strecke nach Silberhütte, sondern im Ort, am Matthias-Schmidt-Berg 1 am Fuß des Skigebiets; der Wäschegrund ist der Weg dorthin, den das Roadbook beschreibt. Geöffnet täglich von 9 bis 18 Uhr. Dreymanns Mühle am Ortseingang von Barbis, wo Alwin Dreymann Hausschlachtespezialitäten und Steaks servierte — fünf Jahre später führten die Roadbooks das Haus schon als Motorradtreff; es liegt An den Mühlen in Bad Lauterberg und wirbt bis heute mit der eigenen Hausschlachterei. Der Brauner Hirsch im thüringischen Sophienhof, im Roadbook mit moderaten Preisen und Eis dazu, ist inzwischen ein Braugasthof mit eigener Brauerei und Zimmern, Sophienhof 16.

Nicht aus den Roadbooks, sondern aus der eigenen Bikemeeting-Datenbank stammt der Harzgrill 66, Goslarsche Straße 56 in Clausthal-Zellerfeld, mit Thüringer Rostbratwurst und selbst gemachter Currysauce, dienstags bis sonntags von zwölf bis neunzehn Uhr.

Eine Adresse der Liste ist weg. Das Hexenhaus in Schierke, Motorradtreff und Einkehr in einem, am 1. April 1990 am Parkplatz Am Thälchen eröffnet, wurde nach dreijährigem Streit mit der Stadt Wernigerode über die Abwasserfrage und einem gerichtlichen Vergleich abgerissen; bis zum 25. April 2017 war das Gebäude weg. Die Fläche gehört heute zum Parkplatz und soll nach Auskunft der Stadtverwaltung nicht wieder bebaut werden. In Verzeichnissen kursiert die alte Anschrift Brockenstraße 1 samt Telefonnummer weiter — dahinter steht kein Betrieb mehr. Das gleichnamige Lokal in Benneckenstein ist ein anderes Haus.

Die genannten Öffnungszeiten sind der Stand vom Sommer 2026.

Die Okerterrasse ist zu

An der Okertalsperre, unmittelbar an der Staumauer. Zu essen gibt es dort im Moment nur, was der Imbisswagen hergibt.
An der Okertalsperre, unmittelbar an der Staumauer. Zu essen gibt es dort im Moment nur, was der Imbisswagen hergibt.

In jedem älteren Text steht sie als Einkehrtipp an der Okertalsperre. Zu ist sie seit der Saison 2022: Die Harzwasserwerke gaben Mitte April 2022 bekannt, dass der denkmalgeschützte Bau aus den späten fünfziger Jahren Bauschäden hat und eine „denkmalgerechte Generalüberholung alternativlos" sei. Saniert wird seit Mai 2024, der zentrale Parkplatz war wegen der Arbeiten bis Sommer 2026 gesperrt, übergangsweise stehen ein Imbisswagen und mobile Toiletten an der Talsperre. Ein Ideenwettbewerb für den künftigen Betrieb ist entschieden, ein Eröffnungstermin ist nicht öffentlich — und aufgemacht hat sie bis heute nicht wieder. Vom Netzauftritt ist nichts übrig: cafe-okerterrasse.de besteht nur noch aus einem Frameset auf eine Domain, die im DNS nicht mehr auflöst, okerterrasse.de leitet auf eine Domainbörse. Die Lage direkt an der Staumauer stimmt weiterhin — zu essen gibt es dort im Moment nur, was der Imbisswagen hergibt.

Bregenwurst, Bachforelle und ein Käse, der nicht von hier ist

Gasthaus an einer Landstraße mit dem Schild Der Windbeutel-König, davor ein Motorrad in Schräglage
Der Windbeutel-König an der B 498 bei Altenau, direkt über der Okertalsperre. Auf der Karte stehen rund 35 Windbeutel-Sorten, süß und herzhaft" — Windbeutel in mutierter Größe, mit Kirschsauce. Den Namen benutzt allerdings nur die Redaktion.

Deftig heißt hier Bratwurst, Mettwurst und Bregenwurst, im Herbst Wild aus den umliegenden Wäldern und das ganze Jahr die Harzer Bachforelle — gedünstet, gebraten oder geräuchert.

Die Nachspeise hat einen eigenen Namen: Harzer Sturmsäcke, im Info-Kasten von M&R beschrieben als „Windbeutel in mutierter Größe, mit Kirschsauce". Beim Roten Bär in Sankt Andreasberg stand schon vor zwanzig Jahren „Riesen Windbeutel!" im Roadbook.

Aus dem Vorharz kommen die Halberstädter Würstchen, die dort auf vielen Speisekarten stehen. In die Dose kamen sie 1896: Die 1883 in Halberstadt gegründete Firma Heine & Co. bot als weltweit erstes Unternehmen Brühwürste in Konservendosen an und gilt damit als Erfinderin der Dosenwurst.

Und dann der Harzer Käse, um den sich eine Geschichte rankt, die nicht stimmt. Wer im Harz nach dem Zusammenhang von Harzer Roller und Bergbau fragt, kriegt eine Geschichte über Bergleute erzählt, die sich nebenbei etwas dazuverdienten. Sie stimmt — nur geht es dabei um den Kanarienvogel. Den brachten zugewanderte Bergleute aus Imst um 1730 in den Oberharz, und seine Zucht in Sankt Andreasberg wurde tatsächlich zum Nebenverdienst der Bergleute. Der Käse dagegen heißt „Roller" wegen der Verpackung: kleine runde Laibe, zu einer Rolle zusammengepackt.

Aus den Bergstädten kam er nie. Er stammt aus dem nördlichen Harzvorland — Bad Harzburg, Vienenburg, Immenrode —, und die Ortschronik von Immenrode schließt den Oberharz ausdrücklich aus. Entstanden ist er im 18. Jahrhundert als Verwertung eines Restes: Die Butter hatte Vorrang, die entrahmte Sauermilch blieb übrig, daraus wurde Käse. Kein Grubenproviant, keine Bergmannskost — der Harzer ist ein Käse des Vorlands. Geschützt ist der Name bis heute nicht, und hergestellt wird er inzwischen fast nur noch außerhalb des Harzes.

Handwerklichen Käse aus der Gegend gab es 2003 im Scheunenhof in Sundhausen südlich von Nordhausen. Meister Vinzelberg machte ihn selbst; zu dem Namen findet sich heute nichts mehr. Den Hof gibt es weiter — ein ländliches Einkaufszentrum mit Hofladen, Hofkäserei, Metzgerei, Streichelzoo und Bauerngarten.

Beim Bier steht Hasseröder für den Ostharz — gebraut wird es in Wernigerode, seit 1996/97 aber nicht mehr im namengebenden Ortsteil Hasserode, sondern in einem Neubau am Nordwesteingang der Stadt; wo die alte Brauerei stand, stehen heute Wohnhäuser und ein Gedenkstein. Die Altenauer Brauerei steht für den Westen. Was sonst aus der Gegend kommt, trägt oft das Zeichen „typisch Harz" auf dem Etikett.

Anreise: A 7, A 38 — und die Umwege, die schon Tour sind

Der Harz liegt zwischen Kassel, Hannover und Halle, also mitten im Land. Aus jeder Richtung ist man schnell da.

Am Westrand läuft die A 7. Aus dem Norden ist Seesen die Abfahrt, aus dem Süden Nörten-Hardenberg oder Northeim-West. Am Südrand läuft die A 38: über die Abfahrt Nordhausen kommt man direkt in den Südharz, über die Abfahrt Roßla und die B 85 in den Südostharz um Stolberg. Aus München führt die A 9 heran, dann hinüber auf die A 38. Aus dem Osten kommen A 14 und B 6. Die B 243 verbindet die A 7 zwischen Göttingen und Hannover mit der A 38 bei Nordhausen und ist der schnellste Weg an den Südrand.

Interessanter sind die Umwege, die die Redaktion seit Jahren empfiehlt, weil sie selbst schon Tour sind: aus dem Norden die B 3 oder die B 4, dazu die B 6, die von Hannover über Hildesheim, Bockenem und Salzgitter-Bad nach Goslar führt. Aus dem Süden die B 247, die von Ohrdruf über Gotha, Bad Langensalza, Mühlhausen und Duderstadt bis Katlenburg-Lindau an den Südwestrand des Harzes läuft — durch den Thüringer Wald führt sie nicht, der Abschnitt über den Kamm wurde 2007 zur Landesstraße herabgestuft. Aus dem Westen die B 241 ab Warburg, die durch den Solling führt und dort schon reichlich Kurven hat, bevor der Harz überhaupt anfängt. Und aus dem Nordosten geht es über die B 4 herein, mitten auf den Torfhaus-Parkplatz — dann fängt die Tour am Treffpunkt an.

Reisezeit: April bis Oktober, und im August der Eiswarner

Restschnee am Waldrand, Boden daneben schon frei. In den eigenen Heften stehen vier verschiedene Saisonangaben — die vorsichtigste heißt April bis Oktober.
Restschnee am Waldrand, Boden daneben schon frei. In den eigenen Heften stehen vier verschiedene Saisonangaben — die vorsichtigste heißt April bis Oktober.

Eine feste Motorradsaison gibt es im Harz nicht: Die Hauptstraßen — B 4, B 242, B 498 — haben keine Wintersperrung, sie werden geräumt und sind ganzjährig befahrbar. Was die Saison begrenzt, ist allein das Wetter, und das ist hier eine Frage der Höhe. Auf dem Brocken liegt an durchschnittlich 178 Tagen im Jahr Schnee; in den Hochlagen um Torfhaus, Sonnenberg und Oderbrück, alle um 800 Meter, liegt im Frühjahr noch und im Herbst schon wieder welcher. Praktisch heißt das: April bis Ende Oktober ist die verlässliche Zeit. Ab Mitte März kann man Glück haben, im November eher nicht mehr.

Wann der Harz fahrbar ist

Die Hauptstraßen sind ganzjährig offen und werden geräumt. Was die Saison begrenzt, ist das Wetter oben.

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Nov
Dez
beste Zeitfahrbar, Wetter wechselhaftWalpurgisnacht, 30. April

Die Nacht zum 1. Mai ist im Harz der lauteste Termin des Jahres — und fällt genau auf den Punkt, an dem die meisten die Maschine aus der Garage holen. Wer an dem Wochenende in Schierke oder Thale übernachten will, ist spät dran.

Am schönsten ist es dreimal im Jahr: im Mai, wenn das Laub frisch ist. Im Juli und August bis in die erste Septemberhälfte, wenn man in den Harzer Teichen baden kann. Und im Herbst, weil das Wetter dann am längsten hält.

Wie das Wetter hier funktioniert, hat einer von uns im August 2016 gelernt. Auf dem Weg zur Arbeit sprang im Cockpit der Multistrada der Eiswarner an, groß und gelb, mitten in einer Kurve. Nicht in den Alpen, sondern im Harz, auf rund 400 Metern über NHN, am 11. August. Über die Griffheizung hat er sich an dem Morgen mehr gefreut als über die neuen Sommerhandschuhe.

Lesertreffen und Landhaus Schulze

Leserwoche 2014, gefahren wurde in Gruppen von höchstens acht bis zehn Maschinen. Montags der Oberharz, dienstags das Weserbergland, mittwochs Ruhetag.
Leserwoche 2014, gefahren wurde in Gruppen von höchstens acht bis zehn Maschinen. Montags der Oberharz, dienstags das Weserbergland, mittwochs Ruhetag.

Motorrad & Reisen hat den Harz nicht nur beschrieben, sondern dort jahrelang die eigenen Lesertreffen abgehalten. Ausgangspunkt war das Landhaus Schulze in Herzberg am Harz, Osteroder Straße 7 — das Haus gibt es nicht mehr. Der Familienbetrieb stellte am 23. Dezember 2020 beim Amtsgericht Osterode einen Insolvenzantrag, ab März 2021 lief das Verfahren, die Einzelfirma ist im Handelsregister gelöscht. An der Anschrift arbeitet heute ein griechisches Restaurant; wer die Adresse noch im Kopf hat, steht vor einem fremden Lokal. Das Treffen ist damit Redaktionsgeschichte — als solche ist sie es wert, erzählt zu werden. Das Programm einer solchen Woche zeigt gut, wie man die Region einteilt, wenn man sieben Tage hat: Anreise am Sonntag auf die Terrasse mit Blick aufs Schloss, montags die 1000-Kurven-Tour durch den Oberharz, dienstags ins Weserbergland, mittwochs Ruhetag, donnerstags in den Hainich, freitags Ostharz, samstags über den Kyffhäuser. Gefahren wurde in Gruppen von höchstens acht bis zehn Maschinen. Am Donnerstagabend gab es ein Harzer Spezialitätenbuffet, am Freitag wurde gegrillt. Das Haus war auf Motorradfahrer eingerichtet: Trockenraum, Garage, Schrauberecke, Roadbooks und GPS-Daten zum Mitnehmen.

Wie so ein Treffen von außen aussieht, hat die Redaktion 2012 in Sankt Andreasberg mitbekommen. Der Goldwing-Stammtisch Berlin/Brandenburg schlug vom 13. bis 17. Juni sein Lager direkt im Kurpark auf; bis Samstagabend hatten sich über 150 Maschinen eingeschrieben, 38 Stammtische waren vertreten, samt mobiler Goldwing-Werkstatt. Der geplante Höhepunkt fiel ins Wasser — das Präzisions-Fahrteam Golden Nuggets musste wegen des Wetters absagen. Dafür fuhren die Winger abends durch den Ort und schalteten dabei sämtliche verbauten Lichtsysteme ein, jede Maschine in einer anderen Farbe. Nicht nur die Zeltbewohner kamen dafür raus, sondern auch die Einwohner. Und nebenbei hielt an diesem Wochenende der „Club der alten Säcke" seine Jahrestagung ab — beitreten darf, wer über 50 ist.

Claras Höhe: wo einer den Müll der anderen einsammelte

Klaras Höhe über dem Lerbachtal. Das Straßendorf unten ist an vielen Stellen nur zwei Häuser breit
Klaras Höhe über dem Lerbachtal. Das Straßendorf unten ist an vielen Stellen nur zwei Häuser breit

Zum Schluss eine Geschichte, die keine Empfehlung ist. Claras Höhe ist ein Aussichtspunkt über dem Lerbachtal, von dem aus man ins Tal hinunter auf die Redaktion von Motorrad & Reisen sieht. An einem Morgen im Juni 2015 hielt dort einer der Kollegen an, wegen der aufgehenden Sonne und der kühlen Luft — und stand im Müll, den andere hatten liegen lassen. Er hat ihn eingesammelt, in den Koffer gepackt und in der Redaktion in die Tonne geworfen. Gedauert hat das keine dreißig Sekunden. Danach, schreibt er, habe ihm die Aussicht deutlich besser gefallen.

Passt auch dazu

Motorradtouren

Strecken-Achsen, Bikertreffs & Tankstellen

Ansehen

Sehenswürdigkeiten

Sehenswürdigkeiten, Sagen & Kultur der Region

Ansehen

Hotels

Motorradfreundliche Häuser an den Strecken

Ansehen

In der Nähe

Benachbarte Motorradregionen – weitere Strecken-Guides aus dem Netzwerk:

Motorrad Ostharz über die B242 (Harzhochstraße) Motorrad Weserbergland durchs Leinebergland über Bad Gandersheim nach Seesen Motorrad Lüneburger Heide über den Elm auf kleinen Landstraßen Motorrad Thüringen über Stolberg und Kelbra zum Kyffhäuser